Volkswagen Aktien durchstarten – Alle Hintergünde und Fakten zum ersten Quartals -Verlust des Autobauers sein 20 Jahren!

Ruben Wunderlich - 28. Oktober 2015

VW Aktie startet durch

Aufgrund des Abgasskandals, implodierte die Volkswagen Aktie im September 2015 regelrecht – rund 40 Prozent innerhalb weniger Tage. Eine Woche Woche später sah es so aus, als hätte die Aktie des Autobauers einen Boden gefunden. Jetzt gab es Spekulationen, ob die VW Aktie den Turnaround schaffen würde.

Auch wenn man aktuell sicher noch nicht von einem Turnaround sprechen kann, so wird doch deutlich, dass sich die Aktie zunächst etwas gefangen hat. Ende Oktober notiert sie bei ca. 108/109 Euro je Aktie – der Tiefstand lag unter 87 Euro je Aktie.

Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich war nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und einem BWL-Studium 6 Jahre lang im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er nun für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert auf aktiendepot.de aktuelle News & Entwicklungen rund um die Finanzmärkte.
Ruben Wunderlich

Markt erwartete noch schlechtere Zahlen

Das Volkswagen für das dritte Quartal 2015 einen Milliardenverlust verbuchen würde, hat niemanden überrascht. Ursprünglich war ein operativer Gewinn von 3,23 Milliarden Euro geplant, allerdings musste dieser Wert auf minus 3,48 Milliarden Euro heruntergeschraubt werden. Damit fiel der operative Verlust zwar etwas größer aus als erwartet, aber nicht signifikant größer.
Für den Volkswagen-Konzern ist das der erste Quartalsverlust seit mindestens 20 Jahren! Eigentlich unvorstellbar.

Der Umsatz konnte trotzdem gesteigert werden. Allerdings sind das die Umsatzzahlen bis Ende September. Richtig aussagekräftig werden die Zahlen frühestens ab dem vierten Quartal 2015 sein. Der Skandal wurde erst Ende September bekannt, als das Quartal fast vorbei war.

Außerdem profitierte Volkswagen vom Verkauf der Suzuki Beteiligung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Das wiederum wirkte sich positiv auf das operative Ergebnis des dritten Quartals aus.

Der Verlust kommt hauptsächlich durch Rückstellungen in Höhe von 6,7 Milliarden Euro zustande, der das Unternehmen für die Folgen des Abgasskandals bildete. Noch sind diese Verluste also noch nicht wirklich realisiert worden. Doch Experten gehen davon aus, dass die Summe nicht reichen wird. Ihrer Meinung nach, müssen die Rückstellungen noch deutlich angehoben werden, um die volle Bandbreite des Skandals abzudecken.
Beispielsweise wurden zwar Rückstellungen für Rückrufe gebildet, aber noch keine für mögliche juristische Folgen, wie zum Beispiel Schadensersatzforderungen, die unweigerlich auf den Konzern zukommen werden.

Der neue VW-Chef Matthias Müller, der jetzt alles richten soll, sagte: „Wir werden alles daran setzen, verlorengegangenes Vertrauen wiederzugewinnen.“

Die Vorzugsaktie von Volkswagen konnte sich teilweise trotzdem an die Spitze der DAX Akien setzen. Offenbar hatten Marktbeobachter doch noch deutlich schlechtere Zahlen erwartet. Da es aber bis jetzt zu keinen neuen negativen Informationen gekommen ist, könnte die Aufwärtsbewegung der Aktie in den nächsten Tagen oder Wochen anhalten.

Ziele für 2015 deutlich heruntergeschraubt

Der Konzern musste zwangsläufig die Ziele für dieses Jahr deutlich herunterschrauben. Insgesamt dürften die Sondereinflüsse rund um den Abgasskandal mit einem negativen Betrag in Milliardenhöhe zu Buche schlagen. Trotzdem erwartet die Unternehmensleitung ein Umsatzwachtsum von etwa 4 Prozent, sowie ein Absatzniveau wie letztes Jahr. Auch die operative Marge von 5,5 bis 6,5 Prozent soll beibehalten werden, allerdings jetzt vor Sondereinflüssen.

Starten Volkswagen Aktien wieder durch?

Mittelfristiges Chartbild jedoch angeschlagen

Die fundamentale Betrachtung ist natürlich aufgrund des Abgasskandals nicht einfach. Wenn es das mehr oder weniger gewesen ist und alle Informationen bereits vom Markt verarbeitet wurden, dann dürfte Potential für die VW Aktie vorhanden sein.

Aus charttechnischer Sicht sieht die Sache etwas anders aus. Im Bereich von Tagen bis wenigen Woche besteht durchaus die Chance auf weiter steigende Kurse. Mittelfristig ist jedoch Vorsicht angebracht. Die Volkswagen Aktie befand sich bereits seit April in einem Abwärtstrend, bevor der Ausverkauf stattfand. Auch jetzt ist keine richtig bullische Gegenbewegung zu erkennen.
Die Aktie verharrt zwar in einem band zwischen 100 und 110 Euro, kann sich aber auch nicht nach oben hin „befreien“.

Daher sollten Anleger, die das Wertpapier im Aktiendepot haben, auch damit rechnen, dass die Aktie nochmals die unteren Bereich ansteuern wird. Selbst ein Durchbruch unter 86 Euro muss einkalkuliert werden.


Jetzt in die VW Aktie einsteigen macht wenig Sinn. Ein sinnvoller Stopp Loss muss unter 86 Euro gesetzt werden. Das sind circa 20 bis 25 Euro unter dem aktuellen Kurs. Realistischerweise sollte man auch nur zunächst ein Potential bis in den 140er Euro Bereich einkalkulieren. Das Chance Risiko Verhältnis wäre in diesem Fall nicht optimal.

Außerdem sollten Investoren in Betracht ziehen, dass sich die Aktie seit über einem halben Jahr im Abwärtstrend befindet und dieser noch lange nicht wieder gebrochen ist.

Wer natürlich aus fundamentaler Sicht der Meinung ist, dass der Abgasskandal weitestgehend eingepreist ist und der Konzern in Zukunft wieder satte Gewinne einfahren wird, könnte jetzt ein Schnäppchen machen. Doch aktuell überwiegen die Risiken.

Es macht derzeit mehr Sinn, sich auf andere Aktien zu konzentrieren, als hier eine „Zockerei“ einzugehen.