Aktiendepot für volatile Zeiten absichern

Ruben Wunderlich - 23. September 2015

Aktiendepot absichern

In dieser Woche kam es wieder zu heftigen Turbulenzen an den Aktienmärkten. Gründe gibt es viele. Generell sind die Märkte natürlich auch „reif“ für eine Korrektur. In solchen Zeiten kann es sinnvoll sein, das eigene Aktiendepot mit Hilfe von Derivaten, ETFs oder anderen Varianten abzusichern beziehungsweise die Schwankungsbreite zu verringern. Wie das geht, möchten wir Ihnen in diesem Artikel zeigen.

Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich war nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und einem BWL-Studium 6 Jahre lang im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er nun für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert auf aktiendepot.de aktuelle News & Entwicklungen rund um die Finanzmärkte.
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Bei einem Investment in Aktien profitiert man nur, wenn diese an Wert gewinnen, sprich im Kurs steigen. Sinkt der Kurs, dann verliert das Aktiendepot an Wert. Um diesen Verlust zu minimieren oder auszugleichen, gibt es verschiedene Varianten.

Depotabsicherung fängt mit Diversifizierung an

Eine effektive Absicherung für das eigene Aktiendepot fängt mit der Diversifizierung an. Das bedeutet, dass nicht nur Aktien von einem Unternehmen oder einer Branche gekauft werden, sondern das Kapital zu streuen. Häufig fällt in diesem Zusammenhang auch der Satz „Nicht alle Eier in einen Korb legen.“ Auch im Artikel: Nach dem Crash – Jetzt Aktien kaufen? gehen wir dieser Sache nach.
Der Gedanke dahinter ist, dass Gewinne eines Unternehmens, die Verluste des anderen auffangen beziehungsweise abfedern. Eine effektive Diversifizierung verläuft über mehrere Branchen, Länder und eventuell sogar Währungen. Auch Dividendenstarke Aktien können eine Art Absicherung sein.

Einsatz von Derivaten

Für eine professionellere Absicherung des Aktiendepots werden häufig Derivate genutzt. Je nach Art könnten sie mit einer Art Versicherungsprämie verglichen werden. Fallen die Aktien tatsächlich stark und dauerhaft, so kompensieren Derivate die Verluste. Stagnieren oder steigen Aktien, so verfallen die Derivate wertlos, ähnlich wie eine Versicherung die nicht in Anspruch genommen wird.

Short-Index-Zertifikate

Eine Variante der Depotabsicherung sind Short-Index-Zertifkate. Ähnlich wie ein „normales“ Index-Zertifikat spiegeln sie fast 1:1 die Wertentwicklung eines Index wieder – nur eben spiegelverkehrt. Das heißt, verliert der Index an Wert, gewinnt das Zertifikat um den entsprechenden Prozentsatz. Profis nutzen solche Derivate vor allem bei Schwellenmärkten oder risikoreicheren Indizes. Short-Index-Zertifikate können übrigens auch gehebelt gehandelt werden. So kann mit wenig Kapitaleinsatz eine größere Absicherung vorgenommen werden.

Natürlich macht ein solches Zertifikat nur dann Sinn, wenn die Aktien im Depot auch in etwa den zugrunde liegenden Index widerspiegeln. Wer beispielsweise nur eine BMW-Aktie absichern möchte, ist mit einem Short-Index-Zertifikat nicht gut beraten. Für den kommen andere Möglichkeiten in Betracht.

Einsatz von Put Optionen

Eine effektive „Versicherung“ sind Put Optionen. Zunächst muss der Basispreis gewählt werden. Das ist der Kurs, der abgesichert werden soll. Die andere Komponente ist der Zeitfaktor. Je höher der Basispreis und je länger die Laufzeit, umso teurer wird die „Versicherung“. Es ist also auch möglich, nur eine Teilabsicherung vorzunehmen, statt eine „Vollversicherung“.

Die aktuelle Volatilität spielt bei Put Optionen eine große Rolle. Herrscht an der Börse gerade Panik, dann möchte sich jeder absichern. Die Volatilität steigt, die Preise für Put Optionen auch. Das geschieht auch bei einer echten Versicherung. Je höher das Risiko umso teurer werden die Beiträge.
Ist es dagegen an der Börse recht ruhig und keiner erwartet den „großen Sturm“, dann sinkt die Volatilität und damit auch die Preise für Put Optionen.

Das Ganze ist in der Praxis natürlich etwas komplexer und man sollte sich zunächst eingehender mit diesen Derivaten auseinandersetzen, bevor man diese tatsächlich im eigenen Depot einsetzt.

Mit Put Optionen können sowohl einzelne Aktienbestände, als auch Indizes abgesichert werden. Für jede einzelne Aktie Put Optionen zu kaufen ist natürlich auch nicht empfehlenswert. Diese sollten nur dann eingesetzt werden, wenn größere Unvorhersehbarkeiten auf das Unternehmen zukommen würden.

Mit Put Optionen Zusatz-Gewinne einfahren

Je nach Marktverhältnis können mit Put Optionen sogar noch Gewinne eingefahren werden, statt nur die Verluste abzufedern. Beispielsweise könnte man bei einem kleineren Einbruch die Put Optionen gewinnbringend verkaufen, ohne jedoch die zugrunde liegende Aktienposition zu liquidieren. Dreht der Markt anschließend nach oben, sind die Put Optionen mit Gewinn verkauft und die Aktien haben wieder ihren vorherigen Wert.
Das gelte vor allem für diejenigen, die weiterhin auf tendenziell steigende Märkte setzen, jedoch einen kurzfristigen Rücksetzer einplanen.

Da Aktien im Laufe der Jahre tendenziell steigen, ist für die meisten Anleger eine ordentliche Diversifizierung als Depotabsicherung völlig ausreichend. Vor allem für diejenigen, die einen langfristigen Anlagehorizont verfolgen.
Short-Index-Zertifikate und Put Optionen sollten nur dann eingesetzt werden, wenn die Funktionsweise völlig verstanden wird und größere Unsicherheiten im Markt vorherrschen.
Sparpläne in Aktien oder Indizes sind eine weitere Möglichkeit, die Volatilität im eigenen Depot zu glätten und vor allem in schwachen Börsenphasen preiswert Aktien zu kaufen.