Apple angebissen – Google revolutioniert

Ruben Wunderlich - 14. August 2015

Apple angebissen - Google revolutioniert

Der Kurs der Apple Aktie kannte in den vergangenen Jahren nur eine Richtung – nach oben. Doch seit Mitte April hat sie mittlerweile 14 Prozent an Wert verloren. Im Gegensatz dazu ist Google dabei, sich von Grund auf neu zu strukturieren. Die gleichnamige Suchmaschine soll dabei von den restlichen Geschäftsfeldern getrennt werden. Ein neuer Mutterkonzern soll entstehen: Alphabet.

Ruben Wunderlich

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Ruben Wunderlich war nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und einem BWL-Studium 6 Jahre lang im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er nun für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert auf aktiendepot.de aktuelle News & Entwicklungen rund um die Finanzmärkte.
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Bei Apple ist der Wurm drin

Im Mai wurde deutlich, dass sich die Aktie von der allgemeinen Tendenz abkoppelt. Während der Nasdaq weiter stieg, ging es bei Apple nur noch bergab. Die Ursachen dafür sind nicht ganz geklärt. Experten vermuten mehrere Gründe.

Problem 1: China-Geschäft schwächelt

Wenn Aktien eines Unternehmens in den Keller rutschen, werden häufig zunächst wirtschaftliche Gründe gesucht, wie Verkaufszahlen, Marktstellung usw. So auch bei Apple. Der wichtigste Markt – abgesehen von den USA – ist China. Dort mehren sich jedoch die Anzeichen dafür, dass die Beliebtheit von Apple Produkten immer mehr abnimmt. Chinesen kaufen lieber Huawei oder Xiaomi. Huawei bedient zwar eher den Billigmarkt, von dem sich Apple ja abheben möchte, aber Xiaomi könnte für das Unternehmen sehr gefährlich werden.

Andererseits häufen sich auch die Anzeichen dafür, dass die Konjunktur in China abschwächt und womöglich weniger Menschen Smartphones, speziell iPhones, kaufen können.

Problem 2: Apple Watch enttäuscht

Der Start des neuen Apple Produkts der Apple Watch enttäuscht ebenfalls. Während Konzernchef Tim Cook sich äußerst zurückhaltend äußert: „Die Apple Watch übertraf die internen Erwartungen“, sind viele Analysten und Anleger stark enttäuscht von den Bilanzzahlen, so zu lesen auf N24.

Doch die Enttäuschung zum Start der Apple Watch dreht sich mehr als nur um die aktuellen Verkaufzahlen. Sie hat vor allem auch mit dem dritten Grund für den Kursrutsch des Unternehmens zu tun.

Problem 3: Abhängigkeit von nur einem Produkt

Mit dem schlechter als erwarteten Verkauf der Apple Watch, ist auch eine weitere damit verbundene Hoffnung gebrochen worden: Die Abhängigkeit vom iPhone. 63 Prozent der Umsätze von Apple sind auf das iPhone zurückzuführen. Da die Gewinnmarge bei diesem Produkt höher ist als bei anderen, ist der prozentuale Anteil am Gewinn sogar noch höher.

Obwohl die Verkaufszahlen des Smartphones von Quartal zu Quartal steigen und immer neue Rekordmarken knacken, sehen Analysten genau hier den Knackpunkt. Für den operativen – kurzfristigen – Gewinn mag das sehr angenehm sein, doch Apple ist damit von nur einem einzigen Produkt abhängig. Sollten die Verkaufszahlen des Smartphones in Zukunft deutlich sinken, wäre das ein riesiges Problem für den Konzern.

Zwar hatte das iPhone 6 und iPhone 6 Plus große Erfolge vorzuweisen, doch Experten vermuten einen einmaligen Sondereffekt, der schon bei der nächsten iPhone Generation verschwunden sein kann. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen, hatte Apple die Bildschirmgröße deutlich erhöht. Bisher hatte das Unternehmen nur ein einziges Mal den Bildschirm vergrößert und das auch nur in geringem Umfang. Der Bildschirm des iPhone 6 wurde von 4 auf 5,5 Zoll vergrößert – 13,9 cm.

Dieser Sondereffekt, so vermuten Experten, trug erheblich zum Erfolg des neuesten iPhones bei. Aber vor allem wird er bei der nächsten Generation fehlen, was sich bei den Verkaufzahlen bemerkbar machen wird.

Die Verkaufszahlen des iPads gingen im Vergleich zum Jahr 2014 ebenfalls zurück. Apple versucht also bisher mehr oder weniger erfolglos, die Abhängigkeit vom iPhone zu mindern. Noch spült das Smartphone viel Geld in die Kassen des Unternehmens, aber keiner weiß wie lange noch. Falls es Apple jedoch schaffen würde, in Zukunft die Diversifikation erfolgreich durchzuführen, wäre die Aktie auf dem derzeitigen Niveau ein Einstieg wert und es könnte sich lohnen, jetzt die Aktie kaufen.

Google vor Kraftakt

Larry Page, Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer von Google, schrieb: „Wir glauben schon lange, dass Unternehmen auf Dauer dazu tendieren, bequem zu werden, immer dasselbe zu tun und nur noch kleinere Veränderungen vorzunehmen.“ Daher müssen sich vor allem Unternehmen in der Technologiebranche, so Page, es sich selbst etwas unbequem machen. Ansonsten fehlen die „großen Ideen“, die die Branche revolutionieren.

Aus Google wird Alphabet

Aus diesem Grund werden die Google Gründer neue Dinge anpacken. Es soll eine neue Muttergesellschaft gegründet werden, unter denen die einzelnen Unternehmen verwaltet werden. Aus Google wird Alphabet. Die neue Holding soll dann wie folgt unterteilt werden: Google Inc. und das Suchgeschäft, Youtube und andere Webfirmen, die Gesundheitsfirma Calico, Google Ventures und Google Capital sowie Google X, das Forschungslabor.

Die Börse feiert die Pläne und der Kurs schoss 5 Prozent nach oben. Der Name Alphabet soll neben dem sprachlichen Aspekt auch für ein lohendes Investment stehen.

Fazit

Apple hat es mit der Apple Watch nicht geschafft, sich vom iPhone unabhängiger zu machen. Immer noch hängt das Unternehmen stark von diesem einem Produkt ab. Sollte es Apple jedoch schaffen, auch andere Produkte erfolgreich und dauerhaft am Markt zu positionieren, dann ist der aktuelle Kurs eine gute Kaufgelegenheit.

Währenddessen baut Google sein gesamtes Firmenkonzept um und will in Zukunft unter der Dachgesellschaft Alphabet sich das Leben selbst etwas „unbequemer“ machen.