Flatex kündigt Einlagesicherungsfonds – Was bedeutet das für’s Aktiendepot?

Ruben Wunderlich - 15. Dezember 2015

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Bisher war ein Aktiendepot im Falle einer Insolvenz von Flatex mit circa 3,7 Millionen Euro je Anleger geschützt. Doch das Unternehmen steigt jetzt beim Einlagensicherungsfonds aus. Rund 140.000 Kunden sind betroffen. Flatex ist in unserem Discount Broker Vergleich unter den Top 10! Was bedeutet das jetzt für das eigene Aktiendepot? Wie sollte man sich jetzt verhalten?

Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich war nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und einem BWL-Studium 6 Jahre lang im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er nun für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert auf aktiendepot.de aktuelle News & Entwicklungen rund um die Finanzmärkte.
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Frank Niehage, Vorstandschef der Fintech-Group (Muttergesellschaft von Flatex) äußert sich auf Nachfrage einer großen Tageszeitung wie folgt: „Wir werden noch dieses Jahr kündigen“. Damit unterliegen die Kundengelder nur der gesetzlichen Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro je Kunde. Wer mehr hat, könnte im Insolvenzfall der Bank leer ausgehen. Wohlgemerkt: „Könnte“ – nicht „muss“.

Warum dieser Schritt?

Für deutsche Banken gehört es zum „guten Ton“, dem Sicherungsfonds anzugehören, um im Falle einer Bankenpleite, wesentlich höhere Summen, als „nur“ 100.000 Euro abzusichern. Für den einen oder anderen Anleger, mag dies sogar ein Kriterium für die Brokerwahl sein.

Das Flatex aus dem Sicherungsfonds nun ausscheidet, hat vor allem 2 Gründe:

95% der Kunden würden sowieso nicht davon profitieren

Niehage äußerte sich auch dahingehend, dass die Kapitalisierung von 95 Prozent der Kunden sowieso unter der 100.000 Euro Marke liegen würde. Für diese Kundengruppe spielt es also keine Rolle, ob „nur“ 100.000 Euro oder 3,7 Millionen Euro abgesichert wären.

Außerdem kostet die Mitgliedschaft im Einlagensicherungfonds jährlich 1 Million Euro. Geld, das sicherlich sinnvoller verwendet werden kann.

Negativzinsen der EZB kosten Flatex 1 Millionen Euro

Doch die Mitgliedsgebühr im Bankenverband dürfte nicht der einzige Grund sein. Kundengelder, die der Broker verwaltet, dürfen nur sehr konservativ angelegt werden. Beispielsweise direkt bei der Europäischen Zentralbank. Doch da die EZB den Einlagensatz auf -0,3 Prozent gesenkt hat, muss Flatex sozusagen „Strafzinsen“ zahlen. Das führt zu einer weiteren Belastung von circa 1 Million Euro pro Jahr.

Jetzt stellt sich die Frage, ob Flatex die Kundengelder nicht anderweitig konservativ anlegen kann?! Die Alternativen sehen auch nicht besser aus. Zwar könnte das Geldinstitut Kundengelder auch bei anderen Banken parken, doch auch hier fallen Negativzinsen an.

Kundengelder zu verwalten – zumindest ab einer bestimmten Höhe – wird zum Verlustgeschäft für Flatex.
Flatex hat also nur die Möglichkeiten, die Kosten selbst zu tragen oder die Negativzinsen an Kunden weiter zu geben. Vor dem letzt genannten Schritt scheuen sich allerdings die Banken noch.

Für Flatex könnte dieser Schritt also eine Möglichkeit sein, überschüssige Kundengelder „loszuwerden“, um damit diesen Kostenblock zu senken.

Wertpapiere und Geldanlagen ohnehin nicht betroffen

Davon abgesehen, dass 95 Prozent der Kunden ohnehin nicht davon betroffen sind, sind Kapitalanlagen in Wertpapiere ebenfalls nicht von einer Insolvenz der Bank betroffen. Schließlich hat der Kunde beispielsweise ja Anteile an einem Unternehmen gesichert. Es wären also nur Gelder betroffen, die auf Girokonten, Spareinlagen oder Verrechnungskonten der Bank liegen. Da Flatex aber gar keine Girokonten oder Sparbücher anbietet, fällt dieser Grund ebenfalls weg.

Fazit: Kein Grund zur Panik

Da die allermeisten Kunden sowieso nicht über der 100.000 Euro Marke liegen und Anlagen in Wertpapieren, wie Aktien, Fonds, Zertifikaten usw. ohnehin nicht betroffen sind, besteht also kein Grund zur Panik.
Daher empfehlen wir auch weiterhin den Broker in unserem Flatex Aktiendepot Test.

Außerdem äußert sich Niehage außerdem: „Wir kündigen … aus einer Position der Stärke heraus“. Hintergrund ist, dass das Eigenkapital der Bank um fast das Doppelte angehoben werde (von 19 Millionen Euro auf 34 Millionen Euro).

Welche Möglichkeiten haben Flatex Kunden jetzt?

Kunden des Online Brokers haben nach Bekanntwerden der Kündigung beim Bankenverband einen Monat Zeit zu kündigen. Bis Ende Januar gilt noch die alte Regel, im Anschluss daran, die neue Grenze von 100.000 Euro je Kunde.

Darüberhinaus haben Kunden natürlich jederzeit die Möglichkeit, das Aktiendepot aufzulösen oder zu kündigen.